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Chronik

100 Jahre Sport in Niemberg

 

Schon vor mehr als 100 Jahren war es, als in Niemberg junge Männer zu sportlichen Wettkämpfen zusammen kamen, um es dem gerade wiedererwachten olympischen Gedanken nachzugehen. Da waren Arbeiter, Handwerksgesellen und Landarbeiter, die sich im Dorfe trafen, um, wie es damals hieß, mit Leibesübungen den Körper zu ertüchtigen. Das Turnen am Bock, am Pferd, am Barren und am Reck machte Spaß und spornte an. An einfachen, selbstgebauten Geräten übten sie gemeinsam die Beherrschung ihres Körpers und maßen ihre Kräfte.

 

Der Gedanke blieb nicht aus, einen Turnverein zu gründen, gleichwohl den vielen Vereinen, die sich besonders in den Städten bildeten. Im Sommer 1910 kam es zur Gründung des ersten Sportvereins in Niemberg. Großen Wert legten die Niemberger auf ihre Namensgebung. „Arbeiter-Turnverein Niemberg“ wollten sie sich nennen, und das hefteten sie auch auf ihre eigens gestiftete Fahne. Die Losung auf der Fahne hieß: „Dem Volke sind wir entsprossen – ihm weihen wir unsere Kraft“. Wilhelm Schüler, schon damals Sozialdemokrat und fortschrittlich gesinnt, wurde in den Vorstand gewählt.

 

Die Turngeräte baute man unter freien Himmel, auf dem Platz vor der alten Schule, gleich neben der Kirche auf. Das hatte den Vorteil, dass die Schulkinder, vorerst die Jungen, die Geräte für den in Niemberg aufkommenden Schulsport nutzen konnten. Noch 1914, also kurz vor dem 1. Weltkrieg, erhielt Niemberg ein so genanntes Jugendheim, das aus der alten Schulscheune gebaut wurde und nun auch den Turnern begrenzt zur Verfügung gestellt wurde. Das Jugendheim stand in der Nähe der Turngeräte, gegenüber der Schule. An eine Turnhalle war längst nicht zu denken.

 

Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 ließen keine sportliche Betätigung zu. Doch nach dem Krieg, noch in Zeiten der Not, begann eine rege Vereinsarbeit. Im Turnverein organisierten sich nun auch Frauen, die allerdings nicht an den athletischen Disziplinen teilnahmen. Ihnen waren Übungen mit dem Ball oder der Keule vorbehalten. Die Männer brachten es zu beachtlichen Leistungen. Oft waren sie zu Wettkämpfen in der Umgebung unterwegs und brachten Urkunden und pokale mit nach Hause. Dabei mangelte es anfangs an geeigneter Sportbekleidung. Mitunter musste weiße Unterwäsche zu Turndressen umfunktioniert werden. Der „Ruhm“ bei errungenen Siegen stand aber nicht nur den Niembergern zu. Auch Turner aus Schwerz, Brachstedt und Plößnitz vertraten den Niemberger Verein. Der Verein hatte in den 1920er Jahren eine beachtlich hohe Mitgliederzahl.

Neben dem erfolgreichen Turnverein, bildeten sich nach dem ersten Weltkrieg ein Kegelverein und ein Radfahrverein in Niemberg. Auch die Radsportler verrieten in ihrem Vereinsnamen - Arbeiter-Radfahrer-Verein „Solidarität“ -, dass man es mit einen Arbeiterverein zutun hatte. Die Sportfreunde betrieben mehr das Kunstradfahren. Vor allem handwerklich begabte und sportlich interessierte, junge Arbeiter und Handwerker hatten sich hier organisiert. Dabei waren es besonders der Schlosser Paul Relius aus Niemberg und der Mechaniker und Dreher Wilhelm Sauer aus Schwerz, die in den 1920er Jahren die Fahrräder technisch betreuten, aber auch an den guten sportlichen Leistungen teilhatten. Hierbei sollten als Aktive noch Franz und Paul Deparade und Franz Jänicke genannt werden. An finanzielle Unterstützungen oder gar private Geldgeber war damals längst nicht zudenken.

 

Ob es in Niemberg zuerst die Kegelbahnen oder den Kegelverein gab, ist nicht mehr zu ermitteln. Fest steht aber, dass es zwei Kegelbahnen im Ort gab. Eine Bahn hatte der Gastwirt Paul Silber am Anfang der 1920er Jahre gleich neben der Kirche, an die Scheunenwand des Bauern Reif gebaut. Es war aber eine Sommerkegelbahn, denn sie war nur teilweise überdacht. Die andere Bahn baute der Gastwirt Hirsch an seine Bahnhofsgaststätte an und machte sie auch im Winter nutzbar. Der Niemberger Kegelverein nutzten beide Bahnen, denn in erhaltenen Schriften werden beide Gaststätten als ihre Vereinslokale genannt. Die Keglermannschaften, es gab eine Frauen- und eine Männermannschaft, reisten viel herum und brachten immer wieder Sieger hervor. Auch in Niemberg wurden Wettkämpfe ausgetragen

 

Am Anfang der 1930er Jahre verlor der Turnverein an Popularität. Auch dem Radfahrerverein gingen die Mitglieder aus und nach 1933 wurden gar die marxistischen Sportvereine verboten, dazu gehörten auch die Arbeitersportvereine. In Niemberg dominierte nun der Handball. Doch es fehlte an einem geeigneten Sportplatz. In der Niemberger Sandgrube, deren Sohle größer als die eines heutigen Fußballplatzes war, konnte ein Spielplatz eingerichtet werden. Allerdings wurde die Grube auch als Müllkippe genutzt. Glas und Abfall gerieten immer wieder auf den Sportplatz, was zum Teil zu bösen Verletzungen führte.

In Niemberg konnte im Jahre 1935 der erste ordentliche Sportplatz an der Straße nach Plößnitz angelegt werden. Für die Sportler eine Erleichterung, denn nun konnten Sportarten ausgeübt werden, die unter den bisherigen Umständen nicht möglich waren. Der Niemberger Landschaftskassendirektor Robert Schossig, der in jedem Jahr seinen Acker mit Kartoffeln bepflanzte, erzielte wegen der fehlenden Fruchtfolge immer weniger gute Ernten. Kurz entschlossen überließ er deshalb den Sportlern die Hälfte seines Feldes. Doch die Nazis nahmen immer mehr Einfluss auf den Sport. Der Sportplatz glich mehr einem Exerzierplatz oder einer Sturmkampfbahn, als einer Sportstätte. Besonders der Schießsport wurde in Niemberg gefördert. Wo das endete ist jedem Menschen spätestens im Jahre 1945 bewusst geworden.

 

Nach 1945 war der Bedarf an Vergnügung und sportlicher Betätigung groß. Schon 1946 begann man den Sportplatz an die Schwerzer Straße zu verlegen. Fußball war dann die dominierende Sportart. Jugendliche, Kriegsheimkehrer und zahlreiche Umsiedler bildeten die ersten Mannschaften. Trotz der Not der Nachkriegszeit gehörte der Sport zur Nummer eins im kulturellen Leben Niembergs.

Im Jahre 1949 wurde die SG Niemberg gegründet. Zwei Sportarten – Fußball und Kegeln – standen am Neuanfang. Schlecht ausgerüstet, es fehlte an Sportbekleidung, an Sportgeräten, an Bällen und an Umkleideräumen, aber mit viel Elan, konnte der Verein aufgebaut werden.

Am 29. April 1951 kam es zur Gründung der Betriebssportgemeinschaft „Traktor“. Die im Aufbau begriffene Maschinen-Ausleih-Stadion Niemberg wurde zum Trägerbetrieb der BSG. Der erste BSG-Leiter, Fritz Peter, fand nicht nur Unterstützung bei der MAS, er hatte auch aktive Sportler wie Willi Müller, Hans Knopf, Paul Barth, Erich Theis und Paul Ebert an seiner Seite. Aufgebaut wurden neben den bestehenden Sektionen Fußball und Kegeln, die Sektionen Handball für die Frauen, Tischtennis, Volleyball und Leichtathletik. In der Sektion Fußball kam aber die erste Mannschaft bis zur Spielzeit 1954/55 nicht über den letzten Tabellenplatz hinaus. Das änderte sich erst, als der nachfolgende BSG-Leiter, Willi Müller, die ersten Mannschaften von Niemberg und Plößnitz zu einer Mannschaft vereinigte. Nach der endgültigen Fertigstellung der Niemberger Sportanlage im Jahre 1955, wurde wechselseitig in Niemberg und Plößnitz Fußball gespielt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es im Jahre 1955 sogar zu einem gesamtdeutschen Fußballvergleich mit dem VfB 09 Gelsenkirchen kam. Ein solcher Vergleich sollte aber einmalig bleiben.

1957 begann der Trägerbetrieb, zusammen mit den Sportlern, eine alte Baracke in ein Sportlerheim umzubauen. Eingebaut wurde eine 2-Bahn Kegelanlage. Schon in den Jahren zuvor hatten die Kegler den Aufstieg in die 1. Kreisklasse und dann in die Kreisliga geschafft. Kegler der ersten Stunde waren Christa Schüler, Hilde Gebhardt, Paul Ebert, Franz Meinhardt, Herbert Männicke, Arno Rackwitz und Gerhard Güttel.

Zu beachtlichen Erfolgen brachte es eine Frauenmannschaft unter der Leitung der Lehrerin Sybille Hänsel in den Jahren 1954 bis 1962 im Feldhandball. Diese Sektion löste sich auf, da es an Nachwuchskräften fehlte.

Einer neuen Generation von Sportfreunden verdanken die Niemberger in den 1970er Jahren einen Aufschwung im Fußball. Kurt Müller, der bei einem tragischen Unfall mit seiner Familie 1975 ums Leben kam, organisierte ab 1970 den Fußball neu. Die aktive Mitarbeit von Helmut Grützmacher und Heinz Reichardt wirkte sich dann auch auf den Nachwuchsbereich aus. Im Gedenken an den verunglückten Kurt Müller wurde jährlich, bis 1994, ein Gedenkpokal im Fußball gestiftet.

Nach Willi Müller wurde Helmut Grützmacher Anfang der 1970er Jahre BSG-Leiter. In diese Zeit fällt der völlige Umbau der Sportbaracke in ein Sportlerheim, mit einer Vereinsgaststätte und einer komplett neuen Kegelanlage. Besondere Aktivitäten zeichnete dabei die Sportfreunde Grützmacher und Kullrich aus. 1976 begann auch der Bau einer Turnhalle in Niemberg. Allerdings zog sich der Bau über Jahre hin. Erst 1980 erfolgte die Einweihung.

Mitte der 1970er Jahre konnte sich BSG-Leiter Grützmacher neben dem Fußball auf eine starke Keglersektion stützen. Schon in den 1960er Jahren und besonders in den 1970ern, stellten die Niemberger Kegler einige Einzel- und Mannschaftskreismeister.

Stellvertretend sollen hier Renate Domke, Renate Baust, Gerhard Güttel, Lothar Haring, Gerhard Kullrich und Wolfgang Grauert genannt werden. Die Teilnahme der Niemberger Kegler an den Bezirksmeisterschaften und die Beteiligung des Sportfreundes Grauert an den DDR-Meisterschaften 1976, waren die absoluten Höhepunkte. Belohnt wurden die stabilen Leistungen der Niemberger Kegelsportler, mit dem Einbau einer automatischen Aufstellanlage im Jahre 1986.

Erwähnt werden sollte, dass die BSG Niemberg um 1987 157 Mitglieder zählte. Das waren etwa13% der Bevölkerung. Rund 50 Jugendliche und 38 Frauen betätigten sich in drei Sportarten. Während die Jugendlichen meist Fußball spielten, waren die Frauen in der 1983 gegründeten Gymnastikgruppe zu finden.

In der politischen Wende, im Jahre 1990, wurde der Trägerbetrieb, das KfL Niemberg, aufgelöst. Damit hatte auch die Betriebssportgemeinschaft keinen Bestand mehr. Daraufhin wurde im Jahre 1990 der TSV 1910 Niemberg gegründet. Erster Präsident wurde der Niemberger Sportfreund Henri Herrmann, der bei Volker Brandt und Hartmut Grützmacher Unterstützung fand. Wegen seiner schweren Erkrankung wurde Henri Herrmann 1995 von Christian Kupski abgelöst. In den Nachwendejahren war es wie ein Neuanfang. Der Verein musste sich selbst tragen, um Fördermittel bitten und Sponsoren suchen. Ein ungewohntes Feld, das neues Denken verlangte. Doch es gab für alles Lösungen. Die Kindermannschaften im Fußball übernahm der Sportfreund Wolfgang Neuhäuser und brachte sie sogar zum zweimaligen Sieg in der 1. Kreisklasse. Beachtlich waren die Leistungen der Herrenmannschaften. Sie schafften 1996 die Finalteilnahme um den Kreispokal des Saalkreises Eine starke Frauengymnastikgruppe gründete sich unter Margit Makuschewitz und die Kegler führten ihre langjährige Erfolgsgeschichte fort. Den Breitensport kurbelte Elke Creutzmann an. Unter der Präsidentschaft von Christian Kupski, wurden in den Jahren 1996 bis 1999 die Kegelbahn modernisiert, der Sanitärtrakt saniert und die Außenanlagen neu gestaltet.

 

Ab dem Jahre 1999 wurde Elke Creutzmann Präsidentin des TSV 1910 Niemberg. Ihr gelang es, durch Ideen und Initiativen neuen Schwung in den TSV zu bringen. Im Fußball betreut seit dem Jahre 2003 Stefan Kupski die 1. Mannschaft und den Nachwuchs. Mit Gründungen von weitern Sportgruppen konnte die Mitgliederzahl des TSV auf über 200 erhöht werden. Angeboten werden seit dieser Zeit, neben den bestehenden Sektionen, auch Volleyball, Tischtennis, Basketball, Eltern-Kind-Gymnastik, Radwandern und Nordic Walking.

 

Hundert Jahre Sport in Niemberg und kein Ende.

Die Niemberger haben sich für die nächsten Jahre viel vorgenommen. Nach dem Bau eines Bolzplatzes, der nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft zur Hälfte vom Deutschen Fußballbund finanziert wurde, der Einrichtung einer Beachvolleyballanlage und der kostspieligen Sanierung der Sportlergaststätte, ist seit dem Jahre 2009 eine Einfeldturnhalle für 2010 beantragt. Möge der Wunsch der Sportler für dieses bisher größte Projekt der hundertjährigen Geschichte des Niemberger Sports in Erfüllung gehen. „Sport frei“!

 

Herbert Kleinau